Direkt zum Inhalt Direkt zur ersten Navigationebene Direkt zur zweiten Navigationebene Auszeichnung: TOP Rehaklinik 2017 Neurologie

Erfolgreiche Rehabilitation

Im August 2008 erkrankte Herr R. mit 47 Jahren am Guillain-Barré-Syndrom, einer neurologischen Erkrankung, die auf einer Entmarkung von Nervenfasern beruht.
In ca. 70% der Fälle heilt das Guillain-Barré-Syndrom mit motorischen Schwächen und Reflexdefiziten, aber ohne Behinderungen des täglichen Lebens aus.
Herr R. gehörte zu den 30% der Betroffenen, bei denen die Erkrankung mit schweren Lähmungen einhergeht, die Beine, Arme, Nacken und Atemmuskeln betreffen können.
Innerhalb von zwei Tagen wurde aus einem berufstätigen und sportlichen Mann ein Vollpflegefall. Seine vollkommene Hilflosigkeit und totale Abhängigkeit von der Hilfe anderer musste Herr R. auch psychisch verkraften.

Anfang September 2008 wurde Herr R. in die BDH-Klinik Elzach verlegt. Er konnte sich langsam in einem Leichtgewichtsrollstuhl mit den Händen auf der Station selbstständig fortbewegen, wobei die Armkraft deutlich reduziert war, benötigte jedoch zu allen anderen Aktivitäten des täglichen Lebens noch sehr viel Hilfestellung:

Diese grundlegenden Aktivitäten (sich selbstständig fortbewegen, Waschen und Anziehen; auf die Toilette gehen; Essen und Trinken) sind die Voraussetzung für ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben, für eine erfolgreiche Teilhabe am Alltag und für die Wiederaufnahme beruflicher Tätigkeiten. Hier lag auch der Schwerpunkt der ergo- und der physiotherapeutischen Behandlung in der ersten Rehabilitationsphase.

Für eine ökonomischere Fortbewegung und eine längere Sitzfähigkeit bekam Herr R. von seinem Ergotherapeuten einen optimal angepassten, leichtgängigen Rollstuhl und ein Positionierungskissen. Somit wurden seine Ausdauer und sein Bewegungsradius innerhalb der Klinik größer und er konnte bald selbstständig zu den Therapien fahren.
Dank intensiver Kräftigungsübungen für Rumpf und Arme konnte Herr R bereits nach zwei Wochen mit einem Rutschbrett selbstständig unter Aufsicht eines Therapeuten vom Bett in den Rollstuhl übersetzen. Die Bewegungsübergänge (Lagewechsel) im Bett wurden leichter und konnten nach weiteren zwei Wochen auch selbstständig ausgeführt werden.
Durch ein intensives Wasch- und Anziehtraining wurden dem Patienten Strategien vermittelt, durch die er seine Lähmungen teilweise kompensieren konnte. So erlangte Herr R zuerst Selbstständigkeit beim Waschen und Anziehen des Oberkörpers, danach beim Anziehen des Unterkörpers, bis er nach insgesamt 14 Wochen intensiver Rehabilitation sich komplett selbstständig waschen und anziehen konnte.

Für jeden Gesunden selbstverständlich, für Herrn R. zunächst unerreichbar: selbstständig die Toilette zu benutzen. Dieses wichtige Ziel wurde durch den Einsatz von Hilfsmitteln möglich. Um Herrn R. zu ermöglichen, leichter in den Stand zu kommen, wurde eine Toilettensitzerhöhung montiert. Für einen sicheren Stand beim Be- und Entkleiden benutzte er Haltegriffe an der Wand.

Nun sollte es nicht nur in die Höhe gehen, in der Physiotherapie stand die Wiedererlangung der Mobilität – zunächst auf Stationsebene - auf dem Therapieplan. Konnte Herr R. zu Beginn im Gehbarren nur für 2 Minuten mit Unterstützung stehen, aber auch im Unterarmgehwagen und mit zwei Hilfspersonen nicht gehen, so verbesserte sich dank intensiver Physiotherapie auch hier seine Mobilität rasch. Nach vier Wochen war das Gehen mit dem Rollator an der Laufkatze unter Supervision für ca. 4 x 10m möglich, eine Woche später waren am Laufband bereits 2 x 8min bei 0,5 km/h Geschwindigkeit möglich (10 Kilogramm Körpergewicht mussten noch vom Gurt abgenommen werden). Ende Oktober konnte Herr R. frei stehen und – wenn auch noch unsicher und deshalb unter Aufsicht – 100 Meter am Rollator gehen.

In einer zweiten Behandlungsphase lag der Fokus in der ergotherapeutischen Rehabilitation einerseits auf den Funktionen der Hand und der Finger, die zunächst noch sehr unbeweglich und schwach waren. Der Alltag zuhause stellt erhebliche Anforderungen an die Feinmotorik, die Herr R. wieder meistern können sollte, auch im Hinblick auf eine zukünftige Berufsfähigkeit.
Herr R. nahm mehrmals an der Kochgruppe teil, in der die Belastbarkeit im Stehen und der funktionelle Einsatz der Hände für Schneidearbeiten erprobt wurden. Dank der regelmäßigen Teilnahme an der Handwerksgruppe verbesserte sich seine Belastbarkeit und Feinmotorik. Durch die Arbeit mit verschiedenen Materialien und Werkzeugen wurde die Geschicklichkeit und Koordination der Hand beübt. In der Feinmotorikgruppe wurde er zu Selbstübungen angeleitet.

Mitte Januar war Herr R. selbstständig mit dem Rollator auf Stationsebene und im weitläufigen Park der BDH-Klinik Elzach unterwegs, so dass das freie Gehen zum nächsten therapeutischen Ziel wurde. Dank verschiedener Kräftigungsübungen und der Teilnahme an der Wassergymnastik nahm die Beinkraft von Herrn R. so weit zu, dass er Ende Januar mit sehr geringer Unterstützung seines Physiotherapeuten für ca. 200 Meter frei gehen und Ende Februar auch Treppen bewältigen konnte.

Zur Vorbereitung der Entlassung verbrachte Herr R. ein Probewochenende zu Hause. Nach diesem Aufenthalt wurden die dort bestehenden Probleme analysiert, besprochen und beübt.
Kurz vor Entlassung wurde ein therapeutischer Kinobesuch in Freiburg mit öffentlichen Verkehrsmitteln initiiert. Herr R. war inzwischen mit einem Rollator auch auf längeren Strecken gehfähig und kam in der Stadt mit Kopfsteinpflaster, Treppen und anderen Hindernissen zurecht.

Nach 9 Monaten intensivster Rehabilitation an der BDH-Klinik Elzach wurde Herr R. nach Hause entlassen. Dies kommentierte er humorvoll: „In der Zeit, in der andere Kinder kriegen, habe ich ein Stück Selbstständigkeit zurückgewonnen.
Im Vergleich zu einem gesunden Menschen hat Herr R. zwar noch einen erhöhten Zeit- und Planungsaufwand, doch kann er wieder aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

 
Guillain-Barré-Syndromzoom
 
 
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