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Ein Wettlauf mit der Zeit

„Er kommt plötzlich und endet folgenschwer, wenn nicht schnell medizinische Hilfe geleistet wird“. Die Rede ist von der Volkskrankheit „Schlaganfall“ von der jährlich über 250 000 Menschen betroffen sind. Und nicht nur bei den über 50-Jährigen, auch bei den jüngeren Jahrgängen nimmt die Zahl der Schlaganfälle zu“. Das hat Ingrid Sünkeler, stellvertretende Direktorin der BDH-Klinik Braunfels am Donnerstag den 120 Zuhörern im Speisesaal ihres Hauses erklärt.
Die Neurologin und ihr medizinischer Kollege, Oberarzt Christian Andrä, sprachen bei einem Doppelvortrag im Rahmen der Reihe „Gesund vor Ort!“ zu der die Klinik und die Zeitungsgruppe Lahn-Dill, zu der auch diese Zeitung gehört, eingeladen hatten. Dabei ging es um das ganze Spektrum „Schlaganfall“, von den Ursachen und Symptomen bis zu der Akutbehandlung und der anschließenden Reha.
Sünkeler betonte, dass der Schlaganfall ein Notfall sei und umgehend in einer Fachklinik von Spezialisten zu behandeln sei, denn nur schnelle Hilfe würde Leben retten. Also achten sie auf die Symptome und fordern sie sofort den Rettungsdienst und Notarzt an. Ihren klaren Appel zum Handeln begründete die Neurologin mit dem Absterben von Zellen, wenn es nicht gelingt, die durch einen „Schlaganfall“ gestörte Blutversorgung zum Gehirn umgehend zu behandeln. Ingrid Sünkeler bezeichnete die Erstversorgung als „einen Wettlauf mit der Zeit“. Denn die wichtigste Akutbehandlung stelle noch immer die Thrombolyse (Auflösung der Durchblutungsstörung) dar, diese könne üblicherweise nur innerhalb von vier Stunden nach dem „Schlag“ erfolgversprechend aufgelöst werden.
Umso wichtiger sei es, die Möglichkeiten der gesamten Versorgungskette zu kennen und optimal auszuschöpfen. So stelle der Rettungsdienst in den ersten Minuten die Weichen für eine rasche Einweisung in eine spezialisierte Klinik.
Wertvolle Hilfe könnten auch die Angehörigen leisten, indem sie die Symptome eines Schlaganfalls, wie Seh-oder Sprachstörungen, Schwindel oder Bewusstseinsstörungen des Betroffenen ernst nehmen und umgehend den Notarzt verständigen „Sie sollten die Notrufnummer des des Rettungsdienstes 112 immer zur Hand haben“, so der Rat der Ärztin.
Im der Neurologischen Klinik Braunfels seien rund um die Uhr alle Möglichkeiten für eine Akuttherapie gegeben, zu der zunächst neben der Computer-Tomographie die Senkung eines zu hohen Blutdrucks gehörten. „Wir in Braunfels verfügen als eines von bundesweit 250 zertifizierten Behandlungszentren über eine spezielle Schlaganfallspezialstation mit sechs Betten, in Fachkreisen auch (Stroke Unit) genannt. Sie ist zum Synonym für eine schnelle und kompetente Versorgung in der Akutphase geworden. Damit das Ziel, eine rasche Verbesserung des Allgemeinbefindens und der Symptomatik des frischen Schlaganfalls erreicht wird, erfolgt neben einer kontinuierlichen Überwachung von Herz, Lunge und Kreislauf die medizinische Versorgung der Patienten durch ein speziell geschultes Team. Trotzdem überleben rund 30 Prozent den Schlaganfall nicht und weitere 40 Prozent müssen mit Folgeschäden leben.
„Aber schon im Vorfeld können sie durch eine gesunde Lebensweise: Kein Nikotin, wenig Alkohol, einer ausgewogenen Ernährung und viel Bewegung, die Risiken für einen Schlaganfall senken“, so die Neurologin, die auch von zu hohem Blutdruck, Diabetes, Herzerkrankungen und Arteriosklerose als kritische Faktoren sprach.
„Wir beginnen mit der Behandlung von Folgeschäden schon in den ersten Tagen nach dem Infarkt. Dabei stehen neben Krankengymnastik auch Ergotherapie und Logopädie auf dem Programm“, erklärt Christian Andrä die ersten Schritte der Rehabilitation (Reha) nach einem Schlaganfall und verweist auf die große Erfahrung in Sachen Reha in der Braunfelser Fachklinik. Ziel der Therapie ist es, die durch die geschädigten Hirngebiete verursachten Funktionsausfälle schrittweise zu reaktivieren. Dabei nutzen wir für uns die Tatsache, dass intakte Hirngebiete im begrenzten Umfang die Funktion der geschädigten Hirnregion übernehmen. Dies bedeutet aber systematisches Training der ausgefallenen Funktionen.
„Von besonderer Bedeutung sei dabei die eigene Motivation und der Eigenantrieb des Pati-enten, dies hängt aber ganz wesentlich von dessen Stimmungslage ab“ so der Oberarzt, der berichtet, dass rund 50 Prozent der Patienten mit schweren Schlaganfällen unter Depressionen leidet, sie haben kein Selbstbewusstsein mehr. „Unsere Spezialklinik verfügt nicht nur über eine moderne Reha-Abteilung mit 140 Betten und dem dazugehörenden Fachpersonal, wir haben auch eine langjährige Erfahrung, wenn es darum geht, die Folgen einer Hirnschädigung, schrittweise zu bessern und den Patienten ein Stück mehr Lebensqualität zu geben“, so Christian Andrä.
Danach hatten die Besucher reichlich Gelegenheit ihre Fragen zu stellen. Dabei ging es im Schwerpunkt um die richtigen Medikamente und die Folgeschäden eines Schlaganfalls.




Bild- und Textquelle: Werner Volkmar

Die Referenten Dr. Andrä und Dr. Sünkelerzoom
Etwa 120 Zuschauer folgten gespannt dem Vortragzoom
 
 
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