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Angeratener Kahlschlag - Bertelsmann-Studie rät zur Schließung von Krankenhäusern

15.08.2019

Die Bertelsmann-Stiftung schlägt vor, die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland von etwa 1.400 auf 600 große Häuser drastisch zu reduzieren. Dagegen laufen Fachverbände und Patientenschützer Sturm. Auch der BDH Bundesverband Rehabilitation, Träger der BDH-Kliniken Elzach und Waldkirch, positioniert sich kritisch.

Angeratener Kahlschlag - Bertelsmann-Studie rät zur Schließung von Krankenhäusern

Der Tenor der jüngsten Studie der Bielefelder Bertelsmann-Stiftung: zahlreiche deutsche Kliniken seien schlicht zu klein und nicht hinreichend ausgestattet, um die heute realisierbare Behandlungsqualität zu erbringen. Für die Patienten wäre es besser, mehr als jede zweite Klinik zu schließen und bei den Verbleibenden Fokussierung und Spezialisierung zu forcieren. Dieser Schritt sei schon deswegen notwendig, weil es an medizinischem Personal mangele. Die derzeitige Anzahl an Kliniken könne deshalb ohnehin nicht aufrechterhalten werden. 

Das stößt auf heftige Kritik von Fachverbänden wie der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Deren Präsident, Dr. Gerhard Gaß, kritisierte die Interpretation der Ergebnisse scharf: „Wer vorschlägt, von ca. 1.600 Akutkrankenhäusern 1.000 platt zu machen und die verbleibenden 600 Kliniken zu Großkliniken auszubauen, propagiert die Zerstörung von sozialer Infrastruktur in einem geradezu abenteuerlichen Ausmaß, ohne die medizinische Versorgung zu verbessern.“ 

Dr. Torsten Stein, Ärztlicher Direktor der BDH-Klinik Greifswald warnt vor „Medizinfabriken“ und hält die Zentralisierung als Maßnahme gegen den Pflegemangel für blauäugig: „Auch hier haben wir es mit Menschen zu tun, welche Familie und Freunde und eine Heimat haben. Hier wird postuliert, dass diese Kollegen sich aus ihrem Umfeld lösen, damit das Personalproblem gelöst werden kann.“ 

Den Beweis dafür, dass gute Medizin und Versorgungsqualität nur in Großkliniken erbracht werden könnten, kann die Studie zudem nicht antreten. „Kleine Krankenhäuser unterliegen strengen Struktur- und Prozessqualitätsprüfungen – ohne Unterschied zu den Krankenhäusern der Maximalversorgung. Die derzeit flächendeckende Versorgung mit den vielen regionalen KH und der etablierten Triage, die sicherstellt, dass die Patienten, bei denen die spezialisierte Hochleistungsmedizin indiziert ist, weiterverlegt werden, macht die exzellente Qualität des Deutschen Gesundheitssystems aus!“ sagt Dr. Inga Sünkeler, stellvertretende Ärztliche Direktorin der BDH-Klinik Braunfels. „Dies führt zu einer ‚positiven Selektion‘, so dass Patienten mit Krankheiten wie Lungenentzündung, Harnwegsinfektionen, leichten Verletzungen nicht die Kapazitäten der Krankenhäuser der Maximalversorgung in Anspruch nehmen und damit Ressourcen binden.“

Professor Claus-W. Wallesch, Ärztlicher Direktor der BDH-Klinik, hält es für wahrscheinlich, dass es eine Entwicklung in Richtung der Vorschläge des Bertelsmann-Gutachtens geben wird. Alle Akutkrankenhäuser sollten die zeitkritische Notfallversorgung anbieten oder organisieren können. Die in der Studie genannten Größenordnungen sieht er hingegen kritisch: „Folgt man den Vorschlägen des Gutachtens, würden Maximalversorger in Ballungsgebieten auf über 2.000 Betten anwachsen. Dies liegt weit über der idealen Akutkrankenhausgröße von etwa 800 Betten. Die Maximalversorger werden sich vermehrt auf ihre Funktion als Spezialinterventionalisten konzentrieren und die Patienten nach der Behandlung in spezialisierte Kliniken zur Weiterbehandlung, ähnlich oder identisch mit der heutigen Neurologischen Frührehabilitation Phase B, weiterverlegen. Diese Kliniken werden wie die BDH-Klinik Elzach über ca. 150 akutstationäre Betten verfügen und ca. 1 Million Einwohner versorgen.“

Hochspezialisierte Fachkliniken, die neurologischen Fachzentren des BDH beweisen das, müssen demnach keine Großkliniken sein. Den Klinikstandort Deutschland macht ebenso auch das Zusammenspiel von Fachkliniken, an denen oft ebenfalls qualifizierte Forschung betrieben wird, mit wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen und den an den Universitätskliniken angesiedelten medizinischen Fakultäten aus. 

Es ist daher schlichtweg populistisch zu behaupten, wie es die Stiftung in ihrer Studie andeutet, es ließen sich viele Komplikationen und Todesfälle vermeiden, wenn man nur auf große Häuser setzt. Die Klinikversorgung in der Fläche zu opfern, wäre für eine kaum überschaubare Zahl an Patienten ein logistisches Desaster. „Gerade in Flächenländern wie Mecklenburg-Vorpommern“, kritisiert Torsten Stein, „ist die Versorgung per se schon ausgedünnt. Hier zu zentralisieren hätte katastrophale Folgen für die Versorgung der bedürftigen Menschen vor Ort. Die gute Arbeit der „kleinen Krankenhäuser“ gerade bei der Versorgung der Patienten mit Erkrankungen, welche nicht einer hochspezialisierten Medizin bedürfen – und das ist immer noch die Mehrzahl – wird herabgewürdigt und in Frage gestellt.“

Auch die Bundesärztekammer kritisierte, dass gerade vor dem Hintergrund der in diesen Tagen entbrannten Debatte über gleichwertige Lebensverhältnisse im Bundesgebiet die von der Stiftung in die Diskussion geworfene Schließung von 800 Häusern „mehr als befremdlich“ sei, wie Klaus Reinhardt, Präsident der Ärztekammer, betonte. Immerhin unterstrich die Kommission für gleichwertige Lebensverhältnisse, eingesetzt von der Bundesregierung, gerade erst die Bedeutung einer wohnortnahen Gesundheitsinfrastruktur. Es handelt sich hier um eine der grundlegenden Fragen öffentlicher Daseinsvorsorge. 

Das sieht auch Inga Sünkeler so: „Die Qualität der stationären Versorgung hat als Grundlage die gute leitliniengerechte medizinische Versorgung. Ärztliche, pflegerische und therapeutische Behandlung ist aber erst dann gut, wenn Würde, respektvoller Umgang, Zuwendung sowie persönliche und individuelle Beziehung zum Patienten gelebt werden. Die Anerkennung des Patienten und damit des Menschen als Ganzheit gelingt erfahrungsgemäß in kleineren Krankenhäusern besser und nachhaltiger. Gerade die Bevölkerungsentwicklung mit immer älter werdenden Patienten macht die ortsnahe Versorgung in Krankenhäusern, die keine Anonymität kennen – auch für besuchende Angehörige –,unverzichtbar.“

Über den BDH Bundesverband Rehabilitation

Der BDH, der große deutsche Sozialverband und Klinikträger, ist führend auf dem Gebiet der Rehabilitation von neurologischen Patienten. Der bietet BDH soziale und sozialrechtliche Beratung und professionelle Vertretung vor Behörden und den Instanzen der Sozialgerichtsbarkeit sowie ehrenamtliche soziale Betreuung an.

Der BDH hat in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der neurologischen Rehabilitation Pionierarbeit geleistet und Einrichtungen gegründet, die bis heute Maßstäbe setzen und von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen, den Berufsgenossenschaften, Rentenversicherungen und Versorgungsämtern sowie der Bundesanstalt für Arbeit in Anspruch genommen werden. In der Trägerschaft des BDH befinden sich heute fünf über ganz Deutschland verteilte neurologische Kliniken in Braunfels (Hessen), Elzach (Baden-Württemberg), Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern), Hessisch  Oldendorf (Niedersachsen) und Vallendar (Rheinland-Pfalz) . Dazu kommen die BDH-Klinik Waldkirch für Chirurgie und Innere Medizin, das Rehabilitationszentrum für Jugendliche in Vallendar und das BDH-Therapiezentrum Ortenau mit Standorten in Offenburg und Gengenbach. 

Die stationäre neurologische Rehabilitation in den BDH-Kliniken nimmt einen wichtigen Stellenwert innerhalb des Leistungsangebotes des BDH ein, um Menschen nach einem Unfall oder sonstiger neurologischer und geriatrischer Krankheit Unterstützung auf dem Weg zurück ins Leben zu bieten.

BDH-Klinik Elzach gGmbH • Am Tannwald 1–3 • 79215 Elzach • Telefon 0 76 82 / 80 10
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