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Es gibt mehr Corona-Helden als nur die Intensivstationen

30.03.2021

In Baden-Württemberg gehören auch größere solitäre, gemischte Einrichtungen in die Landeskrankenhausplanung für die Phase B der neurologischen Früh-Reha – nicht nur Akutkliniken. Das hatte und hat auch Auswirkung auf die Verteilung der Corona-Patienten: Interview mit Geschäftsführer Daniel Charlton, das aktuell in der "kma Klinik Management aktuell" erschienenen ist.

Es gibt mehr Corona-Helden als nur die Intensivstationen

„Unter DRG-Gesichtspunkten hat kaum ein Krankenhaus Interesse, einen langfristig beatmeten noch intensivpflegebedürftigen, aber auch gleichzeitig schon therapiebedürftigen Patienten im IMC- oder Intensiv-Setting zu behandeln“, erklärt Daniel Charlton Geschäftsführer der BDH-Klinik Elzach gGmbH.

Gibt es bereits eine Leitlinien-gerechte Rehabilitation?
Es gibt bereits eine erste S2k-Leitlinie zur Rehabilitation für Post-Covid-Patienten, also eine konsensbasierte Leitlinie von wissenschaftlichen, medizinischen Fachgesellschaften in der AWMF, an der Professor Thomas Platz, Ärztlicher Direktor Forschung beim Bundesverband Rehabilitation (BDH), maßgeblich beteiligt war. Mit den Kliniken des BDH hatten wir aktuell einen Video-Round-Table mit Peter Weiß, dem Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und regionalem Bundestagsabgeordneten. Dort haben wir auch die Themenfelder der Post-Covid-Behandlung und den wichtigen Beitrag der (Früh-)Rehabilitation erörtert. Auch die politischen Akteure und Kostenträger wie die Deutsche Rentenversicherung erkennen zunehmend, dass es in Teilen doch noch eine längerfristige Beeinträchtigung von Betroffenen gibt und daher eine strukturierte, leitliniengerechte Rehabilitation sinnvoll ist. Denn längst sind nicht mehr nur ältere Menschen von schweren Covid-Verläufen betroffen. Auch wir haben derzeit jüngere Patienten im erwerbsfähigen Alter, die schwer betroffen und in Einzelfällen sogar beatmet sind.

Gab es in Ihrer Reha-Einrichtung Corona-Fälle?
Wir hatten Corona-Ausbrüche in unserer Einrichtung, die wir durch strikte Hygiene und viel Aufwand wieder in den Griff bekommen haben. Aus der Erfahrung der ersten Welle haben wir Folgendes gelernt: Als gemischte Einrichtung, die 20 Beatmungsplätze mit Intensivüberwachung vorhält und über die Phasen B (Frührehabilitation) bis zur Phase E (schulisch-berufliche Rehabilitation) alle Patienten behandelt – nehmen wir derzeit in den Phasen C und D maßgeblich Post-Covid-Patienten auf; nach Möglichkeit jedoch keine aktiven Covid-Erkrankten mehr. In der Phase B, also der Frühreha, nehmen wir bei dringendem Bedarf tatsächlich auch noch aktiv Covid-Erkrankte auf, primär jedoch auch hier Post-Covid-Patienten, deren Betreuung noch sehr aufwendig ist und weiterhin strenge Hygieneregeln erfordert. Wir hatten mittlerweile über 110 Post-Covid-Patienten im Haus und sind damit eines der größten Zentren in diesem Bereich.

Was sind die Hauptprobleme bei Post-Covid-Patienten?
Eines der Hauptprobleme ist, dass Post-Covid-Patienten in der Phase B anfänglich einfach begrenzt rehabilitationsfähig im Sinne der indikationsspezifischen Rehabilitation und enorm aufwendig in der Betreuung sind. Generell kann man sagen, dass Corona primär eine klare pneumologische Problematik nach sich zieht – vor allem bei einer maschinellen Beatmung mit anschließendem Weaning-Prozess ist es harte Arbeit für die Lunge. Wir sehen aber auch, dass sich insbesondere bei längeren Verläufen für die Rehabilitation andere, beispielsweise periphere und zentrale Nervenproblematiken, daraus entwickeln. Man kann also sagen, dass eine Corona-Infektion pneumologische, kardiologische und neurologische Einschränkungen und Maßnahmen nach sich zieht. Viele unserer Covid-Patienten haben dazu auch eine Latte an Diagnosen mitgebracht, die im internistischen und neurologischen Bereich angesiedelt sind. Da kommt uns zugute, dass wir neben Neurologen auch Anästhesisten, Intensivmediziner, Internisten und weitere Fachärzte beschäftigen.Natürlich ist, wenn der Patient Tage oder sogar Wochen auf IMC- oder Intensiv-Station verbringt, der ganze Körper betroffen – auch der muskulosketale Bereich. Nach längeren Phasen der Immobilität und zum Teil auch maschinellen Beatmung ist der Patient – auch noch in den Phasen C oder D – einfach gesamt beeinträchtigt; das erfordert dann einen klar multidisziplinären Ansatz, gerade bei den therapeutischen Fachgruppen: Physiotherapie, Ergotherapie, zu einem nicht geringen Teil sogar Logopädie und Neuropsychologie.  

Sie sprechen sich dafür aus, dass Covid-Patienten schon sehr früh in die Reha kommen. Können das alle Reha-Zentren?
Ich bin der Überzeugung, dass im gesamten Gesundheitssektor kein Bereich die Nachversorgung der Corona-Patienten so gut übernehmen kann wie die Rehabilitation. Hier gibt es eine ganze Reihe von Reha-Kliniken, die breit interdisziplinär aufgestellt sind und auch jetzt schon sehr gut eine Post-Covid-Reha anbieten können. Aber man muss auch klar sagen, dass die Reha dort ihre Grenzen findet, wo im Notfall auch noch akutmedizinische Behandlungsmöglichkeiten benötigt werden. Führend bei Corona – auch noch in der Reha – sind schwere internistische Begleiterkrankungen. Die Betreuung von Covid-Patienten wird daher an einer Reha-Klinik mit rein orthopädischem Schwerpunkt schwieriger, weil dort regelhaft keine Internisten beschäftigt sind. Und Covid-Patienten – gerade in der Früh-Reha – benötigen eben oft noch eine fachübergreifende medizinische Beobachtung und Überwachung; das kann nur in einem multidisziplinären Behandlungsteam abgebildet werden. Daher kommt aus meiner Sicht eine rein indikationsspezifische Rehabilitation, die beispielsweise solitär nur muskuloskeletale
Patienten behandelt, schon an klare Grenzen. ▬


Das Interview führte Alexandra Heeser.

Über den BDH Bundesverband Rehabilitation

Der BDH, der große deutsche Sozialverband und Klinikträger, ist führend auf dem Gebiet der Rehabilitation von neurologischen Patienten. Der BDH bietet soziale und sozialrechtliche Beratung und professionelle Vertretung vor Behörden und den Instanzen der Sozialgerichtsbarkeit sowie ehrenamtliche soziale Betreuung an.

Der BDH hat in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der neurologischen Rehabilitation Pionierarbeit geleistet und Einrichtungen gegründet, die bis heute Maßstäbe setzen und von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen, den Berufsgenossenschaften, Rentenversicherungen und Versorgungsämtern sowie der Bundesanstalt für Arbeit in Anspruch genommen werden. In der Trägerschaft des BDH befinden sich heute fünf über ganz Deutschland verteilte neurologische Kliniken in Braunfels (Hessen), Elzach (Baden-Württemberg), Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern), Hessisch  Oldendorf (Niedersachsen) und Vallendar (Rheinland-Pfalz) . Dazu kommen die BDH-Klinik Waldkirch für Chirurgie und Innere Medizin, das Rehabilitationszentrum für Jugendliche in Vallendar und das BDH-Therapiezentrum Ortenau mit Standorten in Offenburg und Gengenbach. 

Die stationäre neurologische Rehabilitation in den BDH-Kliniken nimmt einen wichtigen Stellenwert innerhalb des Leistungsangebotes des BDH ein, um Menschen nach einem Unfall oder sonstiger neurologischer und geriatrischer Krankheit Unterstützung auf dem Weg zurück ins Leben zu bieten.

BDH-Klinik Elzach gGmbH
Am Tannwald 1–3
79215 Elzach 
Telefon 0 76 82 / 80 10 

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